Gesundheitswissen von A bis Z: Muskulärer Schiefhals (Tortikollis muscularis congenitus)

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Es gibt etliche Krankheiten, die mit der Schiefhaltung des Kopfes zusammenhängen, im heutigen Beitrag geht es jedoch um den muskulären Schiefhals (Torticollis muscularis congenitus), welche ganz besonders bei Neugeborenen und Säuglingen auftritt. Weshalb diese Erkrankung genau auftritt, ist bis heute noch nicht vollständig geklärt, klar ist jedoch, dass es durch frühzeitige Behandlungsmethoden nicht bei dieser Fehlstellung bleiben muss.

 

Definition:
Bei einem muskulären Schiefhals besteht eine Verkürzung des Musculus sternocleidomastoideus auf einer Seite. Durch diese Verkürzung wird der Kopf auf die betroffene Seite geneigt und zur Gegenseite gedreht.
Synonyme: Tortikollis muscularis congenitus

Ätiologie:
Die genaue Ursache ist unbekannt. Es wird darüber diskutiert, dass die Entstehung eines Schiefhals durch Komplikationen bei der Geburt, genetische Faktoren oder durch anormale Lagerung des ungeborenen Kindes im Bauch der Mutter, begünstigt wird.

Epidemiologie:
Der muskuläre Schiefhals ist die dritthäufigste Erkrankung, welche angeboren ist. Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen. Der rechtsseitige Schiefhals tritt häufiger auf.

Symptomatik:
Die unterschiedlichen Ausprägungen bei einem Schiefhals werden unterschieden nach folgenden Kriterien (nach Cheng et al.):
– Schiefhals mit Kopfnickgeschwulst (es besteht ein fühlbares Geschwulst beim „Kopfnicken“)
– Schiefhals ohne Kopfnickgeschwulst
– Schiefhals mit verdicktem Musculus sternocleidomastoideus
Die ständige Schiefhaltung des Kopfes führt zu einer muskulären Dysbalance. Das bedeutet, dass ein muskuläres Ungleichgewicht durch beispielsweise verkürzte Muskulatur ensteht. In diesem Fall ist der Musculus sternocleidomastoideus auf einer Seite betroffen. Durch die Verkürzung neigt dieser den Kopf zur betroffenen Seite und dreht ihn zur Gegenseite. Umliegende Strukturen auf der nicht betroffenen Seite werden dadurch auf Dehnung gebracht. Als Folge kommt es häufig zu einer Gesichtsassymmetrie, welche erfolgreich durch konsequente physiotherapeutische Maßnahmen behandelt werden kann.

Anamnese:
Bei der Anamnese wird die Mutter des Patienten/der Patientin nach dem Verlauf der Schwangerschaft und nach Komplikationen bei der Geburt befragt. Bei der speziellen Anamnese wird der Patient/die Patientin untersucht nach angeborenen Fehlbildungen, Fehlstellungen von Fuß, Knie, Hüfte und Wirbelsäule. Es wird differenziert zwischen einem genetisch bedingten Schiefhals (Auftreten dieser Fehlhaltung in der Familie) und einem Schiefhals, welcher durch bestimmte Grunderkrankungen entstehen kann (beispielsweise Klippel-Feil-Syndrom).

Diagnostik:
Bei der Diagnostik wird besonders die Kopffehlstellung und die Beweglichkeit in der Halswirbelsäule untersucht. In speziellen Fällen wird ein Röntgen der Halswirbelsäule in zwei Ebenen, eine Magnetresonanztomographie oder eine Sonographie durchgeführt. Weiterhin wird bei bestimmten Fällen, je nach Beschwerdebild, eine neurologische, augenärztliche, HNO-ärztliche Untersuchung empfohlen.

Therapie:
Konservative Therapie:
Ziel ist eine freie Beweglichkeit der Halswirbelsäule und eine Beseitigung der Fehlhaltung des Kopfes und der daraus resultierenden Gesichtsasymmetrie. Dies wird begünstigt durch verschiedene physiotherapeutische Maßnahmen.
Es werden werden Kräftigungs-und Dehnübungen des Musculus sternocleidomastoideus angewandt. Dies teils in Kombination mit bestimmten Lagerungstechniken. Es ist sinnvoll sogenanntes Biofeedback-Training für die Halswirbelsäule zur Koordination und Kräftigung anzuwenden. Dies läuft ab mit einem Laserpointer der an den Kopf durch eine Stirnlampe appliziert ist. Der Patient wird aufgefordert bestimmte Richtungen „nachzufahren“ an der Wand um aus der Fehlhaltung „rauszukommen“. Biofeedback-Training gibt es heutzutage als Wii-Computerspiel für zu Hause. Je früher mit der Therapie begonnen wird, umso schneller zeigt sich eine Besserung. Es ist sehr sinnvoll die physiotherapeutischen Übungen konsequent und täglich außerhalb der Behandlungszeit durchzuführen. Eigenengagement und Motivation ist sehr wichtig für eine erfolgreiche Therapie ohne operative Maßnahmen.
Operative Therapie:
Ein operativer Eingriff steht absolut an letzter Stelle. Eine operative Maßnahme wird nur in seltenen Fällen empfohlen, wenn eine stetige Zunahme der Deformität besteht und diese nicht durch physiotherapeutische Behandlung verbessert werden kann. Dies lässt sich meist umgehen durch konsequente physiotherapeutische Maßnahmen und Eigenengagement.

Quellen:
– „Orthopädie und Unfallchirurgie“, H. Rössler, 19. Auflage, S.355 – 357
– Leitlinie zu Muskulärer Schiefhals:
http://www.leitliniensekretariat.de/files/MyLayout/pdf/muskulaerer_schiefhals.pdf

Foto: Fotolia/ RioPatuca Images

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