Gesundheitswissen von A bis Z: Meniskopathie (Meniskusriss)

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Definition:
Infolge der anatomischen Struktur, der besonderen Ernährungsbedingungen und mechanisch exponierten Lage können die Menisken sowohl akuten traumatischen, also auch chronisch-degenerativen Veränderungen unterworfen sein und dadurch gegebenenfalls reißen.

Aufgabe der Menisken:
Die Menisci vergrößern die druckübertragende Kontaktfläche zwischen den stark gekrümmten Femurkondylen (Knochen-Fortsätze unten am Oberschenkel-Knochen) und der flachen Gelenkfläche der Tibia. Innen- und Außenmeniskus gleichen die Inkongruenzen zwischen den Femurkondylen und dem Tibiaplateau aus und nehmen etwa ein Drittel der einwirkenden Kräfte auf.

Ätiologie:
Ab dem dritten Dezenium unterliegt der Meniskus regelhaft einer fettigen Degeneration mit Auffaserung. Durch die demgemäß bedingte Instabilität des Gewebes reichen oft schon geringe Traumata aus, um eine Meniskusruptur zu erleiden. Der Meniskus besteht aus drei Zonen, die weiß-weiße Zone (am Rand), die weiß-rote Zone (in der Mitte) und die rot-rote Zone (zur Basis). Diese Zonen sind unterschiedlich stark durchblutet. Am häufigsten ist für degenerativ-chronische Veränderungen die am wenigsten durchblutete Zone, die weiß-weiße Zone, betroffen. Die Heilungstendenzen sind aufgrund der fehlenden Vaskularisation (Neubildung kleiner Blutgefäße) des Meniskus äußerst begrenzt und die Therapieoptionen eingeschränkt. Eine Meniskusdegeneration führt langfristig zu Knorpelschäden und damit zur Gonarthorse. Bei jungen Menschen entsteht eine Meniskusverletzung in den meisten Fällen durch ein großes Trauma, zum Beispiel eine Sportverletzung, häufig durch ein Rotationstrauma. Bei einer Rotationsbewegung des Kniegelenks bei feststehendem Unterschenkel kann es bei entsprechender Krafteinwirkung zu dem Verletzungstyp „Unhappy Triad“ kommen. Hierbei ist das mediale kollaterale Seitenband (MCL), das vordere Kreuzband (ACL) und der Innenmeniskus gerissen.

Epidemiologie:
Hinsichtlich der Häufigkeiten einer Meniskusläsion zeigt sich ein Verhältnis von Männern zu Frauen von 2:1, sowie von Innenmeniskus zu Außenmeniskus von 3:1. Mit etwa 50% sind die meisten Meniskusrupturen degenerativ bedingt. Primär traumatische Verletzungen finden in 10% und sekundär traumatische Verletzungen in 40% der Fälle Meist entsteht ein Riss am Innenmeniskus am Hinterhorn, da dieser durch seine anatomischen Gegebenheiten am wenigsten beweglich ist.

Symptomatik:
Bei einem akuten Meniskusriss bestehen plötzlich aufkommende Schmerzen am Gelenkspalt, die vor allem bei Belastung auftreten. Ein „Schnappen“ über dem Gelenkspalt ist möglich. Häufig besteht eine Einschränkung des Bewegungsausmaßes. Traumatische Meniskusläsionen werden als sehr schmerzhaft empfunden. Degenerativ-chronisch bedingte Meniskusläsionen lassen sich teils schwer feststellen. Bei einer Kontusion (Quetschung, Einklemmung) des Meniskus kommt es zur einer Gelenkblockade mit häufig einhergehenden aufgehobenen Beuge-und Streckfähigkeiten.

Diagnostik:
Diagnostiziert wird eine Meniskusverletzung mittels Anamnese, klinischer Untersuchungen und gegebenenfalls einer Kernspintomographie und eine Röntgenaufnahme. Zur genaueren Differenzierung und Lokalisation kann eine Arthroskopie durchgeführt werden. Um zu differenzieren, welcher Anteil des Meniskus betroffen ist, wird der McMurray test angewandt. Dabei wird der Innenmeniskus getestet (Mediales Vorderhorn, Mediales Hinterhorn) und der Außenmeniskus ( Laterales Vorderhorn, Laterales Hinterhorn). Um die Kreuzbänder zu testen, werden der Pivot-Shift-Test, der Lachmanntest und die vordere und hintere Schublade durchgeführt. Um die Kollateralbänder zu testen, werden die Kapseltests in 20° Flexion im Kniegelenk ausgeführt.

Es werden vier Formen bei einer Meniskusläsion unterschieden: Eine einfache Quetschung (Kontusion) und verschiedene Rissformen.
Radiärriss:
– zieht vom Innerand entlang des Meniskusradius nach außen
– wird auch als Lappenriss bezeichnet, wenn er nach einer Biegung parallel zum Innenrand verläuft
Korbhenkelriss:
– Risslinie verläuft längs durch den Meniskus, parallel zu der Hauptrichtung der Fasern
– keine Verbindung zum Innenrand
– Das vordere und hintere Ende des Faserfragmentes hält Anschluss zum Rest des
– Meniskusläsion
– Gefahr der Dislokation des freien Randes in den Gelenkspalt
Horizontalriss:
– Horizontaler Rissverlauf

Therapie:
Auf die Entscheidung über eine konservatives oder operatives Vorgehen haben zahlreiche Faktoren Einfluss. Neben der Lokalisation der Ruptur, der Korrelation mit dem klinischen Befund, der Ausdehnung der Läsion und Begleitverletzungen, spielen auch das Patientenalter und das Aktivitätsniveau eine wichtige Rolle.
Operative Behandlung:
Heutzutage werden nahezu alle Operationen im Bereich des Meniskus durch eine arthroskopische Meniskusoperation durchgeführt. Diese ist wesentlich schonender und hilft Folgeschäden und Gewebeschäden zu vermeiden.
Nachbehandlung der Meniskusrefixation:
Neben den physikalischen Maßnahmen, sollte für drei Wochen postoperativ beim Laufen eine Schiene angelegt werden. Eine Beugung von 60° sollte in diesen drei Wochen nicht überschritten werden. Nach Ablauf von drei Monaten können wieder Hockpositionen eingenommen werden.

Quellen:
– „Chirurgie – für Studium und Praxis“, M. Müller, 6.Auflage, 2002/3, S. 365 – S. 366
– „Orthopädie und Unfallchirurgie“, H. Rössler, 19. Auflage, S. 315 – 316
– Vorlesungsskript und Mitschrift (Hochschule Fresenius)

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