Gesundheitswissen von A bis Z: Hallux valgus (Ballenzeh)

Physioline-Blog-Hallux-valgus-Ballenzeh

Hallux valgus bezeichnet die Fehlstellung der Großzehe nach innen. Je stärker die Ausprägung ist, desto mehr zeigt der Großzeh nach innen und der Großzehenballen weicht nach außen aus. Bei dem Hallux valgus handelt es sich um die häufigste Zehenfehlstellung des Menschen. Durch den Hallux valgus verlaufen die Sehnen nicht mehr zentral über das Gelenk, sondern weiter außen und ziehen die Zehen in eine schiefe Position, dies verstärkt die Verlagerung.

 

Ätiologie:
Wie jede Fehlstellung kann der Hallux valgus angeboren sein. Häufig tritt zusätzlich ein Spreizfuß auf.  Mit höherem Alter nimmt der Abflachung des Quergewölbes zu, damit auch die lokale Belastung auf den „Ballen“ und den Zehen. Weitere Ursachen sind Fehlstellungen nach Traumen, wenn die ursprüngliche Form des Zehs nicht mehr hergestellt wird. Auch entzündliche Veränderungen im Gelenk können ausschlaggebend sein. Die häufigste Ursache ist jedoch langjähriges Tragen von Schuhen, die den Großzeh in die entsprechende Position nach innen drücken. Dabei wird der Effekt, dass der Großzeh nicht mehr in seine gerade Form zurückgeht (Teilversteifung=Hallux rigidus), durch den veränderten Zug der Muskeln und Sehnen verstärkt.


Epidemiologie:

Frauen sind deutlich häufiger betroffen, als Männer (9:1). Der Hallux valgus tritt vor allem im Lebensalter von 40-60 Jahren auf.


Symptomatik: 

Ein Hallux valgus kann asymptomatisch verlaufen und bedeutet oft nur ein kosmetisches Problem. Die Auffälligkeit wird durch die Verdickung des Großzehenballens verstärkt. Eine Pseudoexostose bezeichnet dann das Drücken des Kopfes des Mittelfußknochens von innen gegen die Haut (der Begriff „Pseudoexostose“ rührt daher, dass die Schiefstellung der Zehe so ähnlich aussieht wie ein Knochenauswachs, eine „echte“ Exostose) . Dabei können Entzündungen des Schleimbeutels und im Gelenk entstehen und sich im Verlauf ein chronisches, rezidivierendes Leiden entwickeln. Eine Arthrose folgt aus dem übermäßigen Verschleiß des Gelenkknorpels durch die falsche Gelenkstellung.


Diagnose: 

Anamnese und klinische Untersuchung:
Der Fuß wird untersucht nach der Ausprägung des Schiefstandes: Der verstärkte Valgusstand des Großzehenendgelenks und die Ausprägung der Varusstellung des „Ballens“, bzw. des ersten Mittelfußknochens. Außerdem wird der Fuß, insbesondere der Großzehe und die benachbarten Strukturen auf mit einhergehende Symptome, wie Verhornung, Entzündungszeichen, Druckschmerzen, Belastungsschmerzen, Beweglichkeit untersucht.
Bildgebende Maßnahmen:
Beim Röntgen wird eine Belastungsaufnahme des Vorfußes in zwei Ebenen durchgeführt. Dabei kann detailliert das Ausmaß des Schiefstandes festgestellt werden.


Therapie:

Konservative Therapie:
Eine frühzeitige physiotherapeutische Behandlung kann eine Operation verhindern. Dabei soll der (sehr wahrscheinlich) bestehende Spreizfuß therapiert werden, damit es nicht mehr zu einer Fehlbelastung kommt und damit die Wahrscheinlichkeit eines Schiefstandes erhöht. Ziel ist vor allem der Aufbau des Quergewölbes, welches bei einem Spreizfuß abgeflacht ist. Deshalb werden bei der Physiotherapie vor allem die Muskeln trainiert, die das Quergewölbe aufbauen. Orthopädische Einlagen können den Therapieprozess zusätzlich begünstigen.
Es wird außerdem eine Nachtschiene empfohlen, um die Großzehe nach medial abzuspreizen.
Schuhpolsterungen sollen die mechanischen Reizungen verhindern. Bei Kombination mit Hallux rigidus wird ein Abrollballen am Schuh über dem Fußballen befestigt um das Gehen zu erleichtern.

Operative Behandlung:
Die Veränderungen können verschiedene Ausprägungsgrade annehmen, die auch unterschiedlich behandelt werden müssen. Entsprechend den Stadien, die aus den Ausprägungsgraden resultieren, werden beim Hallux valgus verschiedene Operationsverfahren angewendet. Indikation für eine Operation sind chronische Beschwerden, welche zu spät konservativ behandelt wurden.
Postoperativ wird ein Verbandschuh mit versteifter Sohle angebracht. Vollbelastung ist je nach Operationsvariante sofort oder nach einem gewissen Zeitraum möglich.

Prognose:
Die operativen Verfahren haben eine gute Prognose, ein Rezidiv ist selten.

 

Quellen:
– Baumgartner, R., Greitemann, B.: Grundkurs Technische Orthopädie. Thieme, Stuttgart 2007 
– Wirth, C.J., Zichner, L. (Hrsg.): Orthopädie und orthopädische Chirurgie: Fuß. Thieme, Stuttgart 2002 
– „Chirurgie für Studium und Praxis“, M. Müller, 6. Auflage, S. 382  
– „Topographie und Funktion des Bewegungssystems“, M. Schülke, 1. Auflage, S. 376-S. 380 
– http://www.dr-gumpert.de/html/hallux_valgus.html
– http://www.onmeda.de/krankheiten/hallux_valgus-symptome-1503-4.html 
– http://www.gesellschaft-fuer-fusschirurgie.de/fuer-patienten/fuss-info/hallux-valgus.html (abgerufen am 23.02.15)

 

Foto: Fotolia/ Photographee.eu

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterEmail this to someone

2 Kommentare zu “Gesundheitswissen von A bis Z: Hallux valgus (Ballenzeh)

  1. Sie erwähnen nicht in einem Satz den Zusamenhang innenrotierter Beinachse, sowie mangelnd ausgeprägte Acetabuli und der Halluxentwicklung. In der Folge formt jeder Schritt die Ausprägung. m.E. kommt als anlagebedingter Auslöser nur die Hüftdysplasie in Betracht und die Umwelt mit sehr geringem Anteil durch die Wahl des Schuhwerkes. Bei ausgeprägtem Hallux kommt wahrscheinlich beides zusammen.
    mb prophysio

    1. Da können wir Ihnen in puncto anlagebedingter Auslöser nur zustimmen , Herr Gaminek! Dennoch dürfen andere mögliche Auslöser nicht außer Acht gelassen werden. In jedem Fall ist es wichtig, dass sich der Patient persönlich bei uns vorstellt, daher sollen unsere Blogartikel die Sitzungen mit uns sinnvoll ergänzen (und schon gar nicht ersetzen). Viele Grüße, Ihr Physioline-Team

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *